Vegetarisch boomt
Bewusstseinswandel - auch in der Ernährung! (Armin Risi)
Essen bedeutet „etwas zu sich nehmen". Was wir essen, prägt uns. Wenn Menschen Fleisch aus Massentierhaltungen und Schlachthöfen „zu sich nehmen", nehmen sie auch die in diesem Fleisch
gespeicherten Angsthormone zu sich, von den vielen Aufputschmitteln, Pharmazeutika und Impfstoffen, die im Fleisch ebenfalls enthalten sind, ganz zu schweigen. Die durch die Fleisch- und
Futtermittelproduktion verursachte Umweltzerstörung ist existenzbedrohend, die den
Schlachttieren zugefügte Gewalt himmelschreiend. Deswegen reduzieren viele Menschen ihren Fleischkonsum, und die Zahl der vegetarisch lebenden Menschen wächst täglich. Nach Angaben des
„Vegetarierbundes" (VEBU) werden in Deutschland im Durchschnitt jede Woche etwa 4000 Menschen zu Vegetariern.
In Europa hat Deutschland die meisten Vegetarier (ca. 6,6 Millionen, d.h. rund 8% der Bevölkerung; bemerkenswert dabei: vier Fünftel der sich vegetarisch ernährenden Menschen sind Frauen), gefolgt von Italien (ca. 5,7 Mio., also rund 10%), Großbritannien (ca. 3,6 Mio., also rund 6%), Irland (6%), den Niederlanden (4,3%), Spanien (4%), Schweden, Österreich und der Schweiz (je 3-4%). In den USA leben schätzungsweise ebenfalls 3% der Bevölkerung vegetarisch (also rund 10 Mio. Menschen), und in Indien, dem Mutterland des Vegetarismus, sind es etwa 300 Millionen Menschen (rund 30% der Bevölkerung).
Ist Fleischessen „natürlich"?
Müssten die Menschen, die Fleisch essen, die Tiere selber töten, oder würden sie auch „nur" einmal einen Schlachthof besuchen, würden die meisten sofort aufhören, Fleisch zu essen. Denn der
Mensch ist gefühls- mässig kein fleischessendes Wesen. Damit er Fleisch essen kann, muss er es abhängen, würzen, kochen, braten. Ein rohes Stück Fleisch zu essen, würde instinktiv Ekel
hervorrufen.
Auch von der Anatomie her ist der Mensch nicht für das Essen von Fleisch bestimmt. Fleischfressende Tiere haben einen kurzen Darmtrakt (zwei- bis maximal dreimal die Körperlänge),
so dass das rasch faulende, toxische Fleisch den Körper schnell verlassen kann.
Da sich pflanzliche Nahrung wesentlich lang- samer zersetzt als Fleisch, haben Pflanzenfresser einen langen Darmtrakt. Dies trifft auch auf den Menschen zu. Er hat die differenzierte Darmstruktur eines Pflanzenessers (Darmzotten. Dünndarm mit Zwölffingerdarm), und der gesamte Verdauungstrakt des Menschen ist deutlich länger, als die obengenannte zwei- bis maximal dreifache Körperlänge (Dünndarm 4-4.5 m, Dick- und Mastdarm 1.5 m. Oesophagus und Magen 0,6 m. insgesamt also 6 bis 6.6 m. das heißt rund dreieinhalbmal so lang wie die Körpergröße).
Gesundheitliche Risiken
Wenn der Mensch Fleisch isst, entstehen im Körper Toxine (Abfallprodukte der Fäulnisbakterien), die die Nieren belasten und im Laufe der Zeit einen günstigen Nährboden für Krankheiten schaffen. Der menschliche Magen produziert beim Verzehr von Fleisch zwar auch eine Art Saft, wie sie im Magen eines Raubtiers vor- kommt (Salzsäure-Pepsin-Mischung), aber nur in einer schwachen Konzentration. Die Zersetzung durch diese Magensäure erfolgt beim Raubtier innerhalb einer halben Stunde, im Menschenmagen dauert es viel länger (oft mehr als vier Stunden). Medizinische Untersuchungen und Studien auf allen Kontinenten zeigen, dass der angestiegene Fleischkonsum zu zahlreichen Krankheiten führt oder deren Entstehen zumindest unterstützt. Dies trifft vor allem auf die sogenannten Zivilisationskrankheiten zu, wie Arteriosklerose. Herz- und Kreislauferkrankungen. Bluthochdruck. Wasserablagerungen. Stoffwechselstörungen, Übergewicht.
Hautkrankheiten. Allergien. Gicht. Osteoporose. Rheuma, Diabetes und Krebs: allesamt degenerative, oft chronische Krankheiten, die bei Vegetariern erwiesenermaßen seltener auftreten als bei Fleischessern. Bereits 1961 schrieb das amerikanische Ärztejournal: «90 bis 97 % der Herzkrankheiten könnten durch eine fleischlose Kost vermieden werden.» (Journal of the American Medical Association. 176/1961)
Fleisch, ein Proteinlieferant?
Den Menschen wird durch Propaganda Angst gemacht und gesagt, wenn man kein Fleisch esse. bekomme man Mangelerscheinungen, vor allem die Kinder müssten Fleisch essen und Tiermilch trinken, usw.
Die Fakten sagen jedoch etwas anderes: Die im Fleisch enthaltenen Proteine sind für den menschlichen Körper nur mit erheblichem Energieaufwand (und nie zu 100%) abbaubar, weil die Bausteine der Proteine, die Aminosäuren, vom tierischen Organismus entsprechend der eigenen Art zusammengefügt werden und vom menschlichen Organismus zuerst wieder aufgespalten werden müssen, was eben nie restlos möglich ist. Hingegen ist es für den menschlichen Körper möglich, die Aminosäuren aus Pflanzen und Früchten direkt aufzunehmen. Interessanterweise essen die Menschen fast nur vegetarisch lebende Tiere!
Noch mehr als Tierfleisch wird Tiermilch als Proteinlieferant angepriesen. Der Mensch ist jedoch das einzige „Säugetier", das noch im Erwachsenenalter die Säuglingsnahrung beibehält, und dabei eine artfremde. Während eine gesunde Muttermilch für die physische und psychische Entwicklung des Kindes von elementarer Bedeutung ist, ist artfremde Milch sehr problematisch. Eine Kuh produziert die Milch für ihr Kalb und dessen Bedürfnisse, die ganz anders sind als die des menschlichen Kindes. Ein Kalb steht von den ersten Minuten an auf seinen Beinen und wächst sehr schnell, weshalb es eine entsprechende Nahrung braucht.
Ein Kleinkind erhebt sich nicht sogleich auf die Beine, sondern wächst in einem anderen Rhythmus und entwickelt dabei zuerst hauptsächlich sein Gehirn. Tiermilch jedoch ist nicht auf das Gehirnwachstum fokussiert, sondern unterstützt den zum Überleben des jungen Tieres notwendigen allgemeinen Wachstumsschub. Kaum ist das Tier etwas älter, hört es mit dem Milchtrinken auf. Es trinkt also nicht einmal mehr die arteigene Milch! Wegen ihrer Artfremdheit ist Tiermilch - die natürliche und erst recht die industriell verarbeitete - für den Menschen kein geeignetes Nahrungsmittel.
Fleischessen ist nicht nur Privatsache
„Die Erde hat genug für die Bedürfnisse eines jeden Menschen, aber nicht für seine Gier." Mahatma Gandhi
Die Fleischproduktion erfordert Monokulturen, die Monokulturen erfordern den Einsatz vieler Pestizide, Herbizide usw., die Chemikalien gehen ins Grundwasser und in die Flüsse, schaden den Bienen. Die Massentierhaltung produziert Unmengen an Gülle und Treibhausgasen. Die Fleischproduktion ist Ursache von Umweltzerstörung, Wasser- und Nahrungsmittel- Verschwendung, Hunger in den Entwicklungsländern. usw. Dennoch wird weltweit viel und immer mehr Fleisch „produziert".
Nur ein Beispiel: In Wietze bei Celle entsteht ein grosser EU-Hühnerschlachthof. Dort sollen wöchentlich 2.6 Mio. Tiere fliessbandgeschlachtet werden, 27.000 Tiere stündlich. Anfang August 2010 wurde das von Tierrechtlern besetzte Baugelände geräumt, der Bau konnte beginnen. wie DIE ZEIT am 12.8.2010 berichtete.
Fleischproduktion bedeutet eine Verschwendung und Vernichtung von Nahrungsmitteln: Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7-16 kg Getreide oder Sojabohnen. Bei der „Umwandlung" von Getreide in Fleisch gehen 90% Eiweiss, 99% Kohlenhydrate und 100% Faserstoffe verloren. Auf der Fläche eines Grundstückes, die benötigt wird, um 1 kg Fleisch zu erzeugen, könnte man im selben Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten. Zur Erzeugung von 1 kg Getreide braucht es ca. 100 Liter Wasser. Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, braucht es 2.000-15.000 Liter Wasser (von der Futtermittel- Produktion und Aufzucht bis hin zum Wasserverbrauch in den Schlachthöfen). Über 50% der Wasserverschmutzung in Europa sind auf die Massentierhaltung zurückzuführen!
„Sie [die heutige Landwirtschaft] beseitigt oder vereinheitlicht nicht nur sämtliche Landschaftsformen, die ihr bei der Steigerung der Produktion im Wege stehen, und setzt rücksichtslos Herbizide, Pestizide und Fungizide ein. Noch gravierender sind die Schäden, die sie mit ihrem exzessiven Düngemitteleinsatz anrichtet. Deutschland ertrinkt in der Gülle." (Spektrum der Wis- senschaft. Mai 2005,S.99)
Zur Futtermittelproduktion gehört auch die Abholzung des Regenwaldes. Täglich verschwinden rund 30 000 Hektar, das heisst: pro Minute eine Fläche von 35 Fussballfeldern! Gleichzeitig wachsen die Sieppen- und Wüstenflächen täglich um 20'000 Hektar, in den letzten Jahrzehnten ist die "grüne Lunge" unseres Planeten weltweit um rund 70% geschrumpft!
Auf dem selben Stück Land können erzeugt werden:
| 1000kg |
4000 kg |
6000 kg |
50 kg |
| Kirschen | Aepfel | Rüebli | Rindfleisch |
Fleischproduktion und Welthunger
Weltweit werden rund 40% der gesamten Getreideernte an Vieh verfüttert. Um ein Rind ein Jahr lang zumästen, benötigt man 0,5 ha Land. Nach einem Jahr erhält man von diesem Tier rund 300 kg essbares Fleisch. Hätte man während dieses Jahres auf derselben Fläche Getreide oder Kartoffeln angepflanzt, hätte man (mit Bio-Anbau) mindestens 2000 kg Getreideoder 15 000 kg Kartoffeln ernten können! Bei der Diskussion des Welthungers werden diese offensichtlichen Faktoren von den offiziellen Stellen meistens peinlichst ausgeblendet. Stattdessen wird betont, der Hunger könne nur durch eine Genmanipulation der Kulturpflanzen „bekämpft" werden. „Gentechnisch veränderte Organismen" (GVO) werden heute als die große Hoffnung der Zukunft angepriesen. Dabei hat der Welthunger eine ganz andere Ursache: Auch heute müsste niemand an Hunger sterben, denn wir produzieren mehr als genug Nahrungsmittel für alle Menschen, doch diese werden ungerecht verteilt, indem wir sie verschwenden - vor allem, indem wir siean Schlachttiere verfüttern - oder tonnenweise vernichten, um den Preis stabil zu halten.
Prof. Jean Ziegler, von 2000 bis 2008 Sonderberichterstatter der UNO-Menschenrechtskommission für das Recht auf Nahrung, schreibt in seinem Buch "Wie kommt der Hunger in die Welt? (2000)": „Infolge der globalisierten, wild wütenden Kapitalmärkte ist eine Weltordnung entstanden, die den Lebensinteressender großen Mehrheit zuwiderläuft. Von 6,2 Milliarden Menschen leben 4,8 in einem der 122 sogenannten Entwicklungsländer, meist unter unwürdigen Bedin-gungen. 100.000 Menschen sterben jeden Tag an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen. Alle sieben Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Dieser tägliche, stille Völkermord geschieht auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt. Dabei könnte die Erde problemlos 12 Milliarden Menschen hinreichend ernähren" - wenn die Menschen weniger Fleisch ässen oder ganz vegetarisch leben würden!
Der einfache una natürliche Weg zur Problemlösung
Die Menschen der modernen Zivilisation könnten alle-samt problemlos vegetarisch oder vegan leben; es gibtkeinen einzigen medizinischen oder ernährungswissenschaftlichen Grund, warum wir Fleisch essen müssten,wohl aber zahlreiche Gründe, warum wir unserer Ge-sundheit, unserer Umwelt und unserer Zukunft zuliebedarauf verzichten sollten. Solange der Mensch die Tieregefühllos und kurzsichtig als Ware und Profitobjekte be-handelt, verkennt er die wahre Natur des Lebens und der Schöpfung und verhält sich schöpfungswidrig - was auf den Menschen zurückfällt: ungesunde Lebensmittel, Nahrungsmittelverknappung, Umweltzerstörung, Wüstenausbreitung, Überschwemmungen, usw. Der Dichter Leo Tolstoj sagte: „Solange es Schlachthöfe gibt, gibt es auch Schlachtfelder." Angesichts all dieser Problempunkte stellt sich die Frage, wie es sich die Menschheit heute leisten kann, nicht vegetarisch zuleben.
Durch eine weltweite Förderung der fleischlosen Ernährung könnten zahlreiche ökonomische und ökologische Probleme, die die Welt heute belasten, schnellund unkompliziert gelöst werden - im Gegensatz zum Irrweg der vermeintlichen Ertragssteigerung durch GVO, „gentechnisch veränderte Organismen", die neben allen Problemen und Gefahren auch eine finanziell und technisch überaus aufwendige Forschung erfordern. Vegetarisch leben, dies ist nicht nur eine gesunde, vollwertige Ernährungsweise, sondern auch Ausdruckeines bewussten Lebensstils.
Vegetarisch zu leben istein aktiver Schritt, um den destruktiven Tendenzen dermodernen Zivilisation entgegenzuwirken.
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