Gezielte Irreführung von Thomas Cueni, Interpharma

Thomas Cueni

Thomas Cueni, hier in einer Club-Sendung von SRF

Gezielte Irreführung von Thomas Cueni, Interpharma

Urs P. Gasche / 13. Mrz 2013 - Um hohe Medikamentenpreise durchzusetzen, verschafft er sich Zugang zu Bundesräten, Amtsdirektoren, Parlamentariern und Medien.

Thomas Cueni ist Geschäftsführer der Pharma-Lobbyorganisation «Interpharma», finanziert von Novartis, Roche, Actelion, Pfizer, Merck, Bayer etc. Interpharma steht im Ruf, die mächtigste Lobby im Land zu sein. Sie sponsert Parteien, Politiker, Universitäten und Ärzte. «Viele der sogenannten Gesundheitspolitiker hängen am Tropf der Pharmaindustrie», sagt Professor und Chefarzt Thomas Cerny, langjähriger Präsident der Krebsliga Schweiz.

 

Manipulative Agumentation


Der hoch bezahlte Lobbyist beherrscht zahlreiche Tricks der Rhetorik. Seinen Gesprächspartnern wirft Cueni gerne vor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Er selber ist in dieser Disziplin ein Meister. Ein Beispiel lieferte er in der heutigen Sendung Kontext von Radio SRF 2. Cueni wollte weismachen, wie bescheiden und unbedeutend doch die Ausgaben für Medikamente sind: Wir gäben in der Schweiz 65 Milliarden (jährlich) für das Gesundheitswesen aus, argumentierte er, doch die Kassen würden «nur etwa vier Milliarden» für Medikamente zahlen, also lächerliche sechs Prozent.

 

Doch damit hat Cueni – nicht wie allenfalls seine Gesprächspartner Äpfel mit Birnen –, sondern Äpfel mit Früchtekuchen verglichen, und ausserdem mit einer falschen Zahl geschummelt:

 

• Bei den 65 Milliarden handelt es sich um sämtliche Ausgaben, die mit der Gesundheit in irgendeinem Zusammenhang stehen.

• Davon zahlten die Krankenkassen im Jahr 2012 für die obligatorische Grundversicherung 25 Milliarden Franken.

 

Von diesen 25 Milliarden betrug der Anteil der Medikamente, die den Kassen direkt verrechnet wurden, über 5,6 Milliarden Franken (also keinesfalls «nur etwa 4 Milliarden», wie von Cueni behauptet, sondern 40 Prozent mehr).

 

Aus der offiziellen Statistik des BAG für das Jahr 2012 geht hervor, dass die Apotheken den Kassen für kassenpflichtige Medikamente 3275 Millionen Franken verrechneten, die selbstdispensierenden Ärzte 1639 und die Spitalambulatorien 700 Millionen Franken, zusammen also 5,6 Milliarden. Dazu kommen viele teure Medikamente, welche die Spitäler bei stationären Aufenthalten abgeben und die in den Spitalpauschalen enthalten sind. Mindestens zur Hälfte gehen diese Spitalmedikamente ebenfalls zu Lasten der Kassen. Es kommen deshalb nach Angaben von Josef Hunkeler, langjähriger Medikamentenspezialist beim Preisüberwacher, zusätzlich rund 400 Millionen dazu. Das macht zusammen 5,9 Milliarden Franken, welche die Medikamente den Kassen kosten. Das sind hohe 23,6 Prozent jedes Prämienfrankens.

 

In keinem Land Europas verschlingen Medikamente einen so hohen Anteil an den gesamten Kassen-Ausgaben.

Pro Kopf der Bevölkerung müssen die Krankenkassen in der Schweiz für Medikamente fast 50 Prozent mehr ausgeben als die Kassen in Holland, und 26 Prozent mehr als in Deutschland (zum kaufkraftbereinigten Wechselkurs von 1.32 umgerechnet).

Diese Zahlen verbreitet die Lobbyorganisation Interpharma in ihren Hochglanzbroschüren und PowerPoint-Präsentationen nicht. Deshalb sind sie auch in den Medien selten anzutreffen.

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Siehe «Bund sichert Pharmaindustrie überrissene Einnahmen»

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