Angstmache: Zecken überdurchschnittliche Stichgefahr?

Kleine Blutsauger geniessen den Frühling
Zeckenexperte Norbert Satz rechnet mit überdurchschnittlich vielen Zecken in den Monaten April und Mai. Grund dafür ist der kalte und lange Winter.

Der Frühling ist da und die Bevölkerung zieht es nach draussen. Doch Vorsicht: Auch Zecken geniessen die warmen Temperaturen. Der Arzt und Zeckenspezialist Norbert Satz erwartet diesen Frühling wieder viele Parasiten, da der kalte und lange Winter den gefährlichen Spinnentieren optimale Überlebensbedingungen bot.

Der Experte erklärt: «Zecken können die kalte Jahreszeit nur überleben, wenn sie bei tiefen Temperaturen in eine Winterstarre fallen. In diesem Zustand brauchen sie kaum Energie und können mit den Blutreserven aus dem Herbst lange durchhalten.» Wenn sie im Frühling aus der Winterstarre erwachen, besitzen sie genug Kraft, um einen neuen Wirt zu suchen. Ob es dann zu viele Erkrankungen kommt, hängt von der Witterung ab. Denn nur bei gutem Wetter halten sich auch genügend Leute zum Blutsaugen in der freien Natur auf.

Entscheidet Haut über Stechgefahr?

Dabei müssen sich nicht alle Personen gleich viele Sorgen über eine Ansteckung machen, denn die Zecken suchen sich ihre Opfer gezielt aus. Nach welchen Kriterien sie dies tun, ist bisher noch unklar. Satz geht davon aus, dass ein bestimmter Faktor der Haut über einen möglichen Stich entscheidet.

Unabhängig davon stechen die kleinen Blutsauger in den Monaten April und Mai besonders oft zu. Sie verstecken sich bevorzugt in Wäldern und Wiesen mit hohen Gräsern. Pro Meter Waldrand können dabei bis zu 20 Zecken lauern - in der gesamten Schweiz sind also Millionen von Zecken auf der Suche nach einem Wirt.

Gefahr einer Hirnhautentzündung

Gefährlich wird es für den Wirt, wenn die Zecken ihn mit Lyme-Borreliose oder der Frühsommer-Meningoenzephalitis infiziert. Jedes dritte Tier trägt den Lyme-Borreliose-Erreger in sich, der bei der gestochenen Person zu Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Übelkeit führt. Die gesamte Schweiz gilt als Risikogebiet für eine Lyme-Borreliose-Erkrankung.

Etwas kleiner ist das Risiko für eine Ansteckung mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis, die bei 10% der infizierten Personen in einer gefährlichen Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündung endet. Bei rund 20-30% von diesen Patienten führt die Krankheit zu einer Invalidität oder einer Teilinvalidität - im Jahr 2012 erlitten über 20 Personen dieses Schicksal. Die Gefahr, an der Krankheit zu sterben, ist verschwindend gering und liegt bei unter einem Prozent.

«Beschämend tiefe Impfrate»

Auch bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis gilt ausser dem Tessin die gesamte Schweiz als Risikogebiet, in dem jede 1000. Zecke den Virus in sich trägt. Anders in den Hochrisikogebieten: Praktisch im ganzen Kanton Schaffhausen, im Sihltal sowie in den Gebieten rund um die Zürcher Städte Winterthur und Rapperswil ist jede 100. Zecke infiziert.

Im Gegensatz zur Lyme-Borreliose kann die Frühsommer-Meningoenzephalitis aber nicht mit Antibiotika behandelt werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, sich gegen den Virus impfen zu lassen. Trotzdem sind in der Schweiz nur 17% der Bevölkerung geimpft. Für Norbert Satz völlig unverständlich: «Die Bevölkerung nimmt das Problem nicht ernst. Wir haben eine beschämend tiefe Impfrate.»



Zeckenmittel schützen nicht genug zuverlässig


Neben einer Impfung bieten vor allem lange Hosen und lange Oberteile Schutz vor den Parasiten. Ausserdem sollte der Körper nach dem Duschen mit einem Handtuch kräftig abgerubbelt werden, damit die Tiere von der Haut ablassen. Andere Schutzmittel gibt es laut Satz nicht. Auch Zeckenschutzmittel wirken seiner Meinung nach zu wenig zuverlässig.