Zulassung für Medikamente

Bundesrat für Beschleunigung

 

cs. Für einmal gibt es gute Nachrichten aus der Gesundheitspolitik (da wird der Leser bereits manipuiert). Der Bundesrat hat die Zulassungsverfahren für neue Medikamente und für die Preisanpassungen bei Arzneimitteln, deren Indikation erweitert wird, verkürzt. Die Änderungen der entsprechenden Verordnungen treten am 1. Juni in Kraft.

 

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) muss neu innerhalb von 60 Tagen nach der Zulassung eines Medikaments durch das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic entscheiden, ob das Medikament auf die Spezilitätenliste der obligatorischen Krankenversicherung gesetzt wird. Bei bereits auf dieser Liste stehenden Medikamenten, für die die Indikation erweitert wird, werden die Pharmaunternehmen künftig auf 35 Prozent des erwarteten Mehrumsatzes verzichten.

Die Neuerungen entsprechen einem Kompromiss, den Bundesrat Berset und die Pharmabranche im langjährigen Streit um die Medikamentenpreise Mitte April gefunden haben. Der Generalsekretär von Interpharma Thomas Cueni zeigt sich zufrieden über die neue Ordnung. Den Pharmaunternehmen sind die raschen Zulassungsverfahren wichtig. Bisher benötigte das BAG für die Verfahren nach Berechnungen von Interpharma im Schnitt rund 200 Tage.

 

Die Beschleunigung um mehr als vier Monate ist der Branche auch einiges Wert. So akzeptiert sie, dass die Gebühren im Verfahren zum Teil mehr als verdoppelt, ab 2015 gar verdreifacht werden. Cueni sagt, dass der raschere Zugang zu innovativen Medikamenten für Patienten, Kassen und den Pharmastandort Schweiz wichtiger sei. Dazu werde selbstverständlich mehr Personal beim BAG benötigt.

 

Gesundheitsminister Berset wollte diese Zeiteinsparung offensichtlich auch. Gleichzeitig wird mit der Einigung erreicht, dass die Preisreduktionen bei den Medikamenten von pro Produkt im Schnitt 20 Prozent akzeptiert werden. Gegen die Senkungen von November 2012 erhoben verschiedene Pharmaunternehmen Beschwerden. Wie Interpharma mitteilt, werde sich der Verband dafür einsetzen, dass diese zurückgezogen werden, insoweit als sie sich gegen den Systemwechsel, den Verzicht auf den therapeutischen Quervergleich, beziehen. Die Weichen dürften damit auch für die weiteren Preissenkungen von November 2013 und 2014 gestellt sein.

Kommentar:

 

Ein aktuelles Beispiel wie der Bundesrat es versteht, in schöne Worte gepackte Macht-Entscheide der Pharma-Mafia dem Volk beliebt zu machen.

Vorteile, die eigentlich Nachteile sind, werden dem Leser untergejubelt, der das auch noch glaubt und die Arbeit des Bundesrates schätzt.

 

Leute macht endlich die Augen auf:

 

Beschleunigen der Zulassung bedeutet weniger Zeit für Studien und Abklärungen für die Wirksamkeit, Notwendigkeit und Sicherheit.

 

Wenn die Pharma schon 20 Prozent weniger verdienen darf, dann soll doch etwas pressiert werden, damit mehr verkauft werden kann, bis der Bluff auffliegt, dass es nur "Nebenwirkungen" sind, die wirken.

 

Klarer ausdrücken, als die Wichtigkeit für Krankenkassen und Pharma als Hauptgrund zu erwähnen, kann man es ja gar nicht mehr sagen, wem die Chose nun dient - doch nur den Kassen und der Pharma.

 

Die bis zum Dreifachen erhöhten Zulassungsgebühren sind doch offensichtlich nichts anderes als ein Versuch, Schmiergelder zu legalisieren, in wessen Taschen diese verschwinden, lässt sich nur spekulieren.