Impfen aus der Sicht der Naturheilkunde

Quelle: Naturärztevereinigung Schweiz   Blogverzeichnis
Impfen und Komplementärmedizin_2012-09-
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Impfen aus Sicht der Naturheilkunde

In der Komplementärmedizin steht man dem Impfen eher skeptisch gegenüber. Die Impfpolitik sei von kommerziellen Interessen bestimmt. Das Wissen um einen natürlichen Umgang mit Krankheiten sei weitgehend verloren gegangen, stellen das Präsidium und der Vorstand der Naturärzte Vereinigung der Schweiz (NVS) im folgenden Text fest.

Seit es Impfungen gibt, wird gestritten, ob sie mehr schaden oder nützen. Je nach Auswahl der Kriterien, erscheinen Impfungen als grosse wissenschaftliche Errungenschaft oder als weiteres Zeugnis für das kurzsichtige und überhebliche Handeln, das den Umgang des Menschen mit der Natur immer wieder kennzeichnet.

Ganzheitliche Betrachtung

In einer Verlautbarung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) vom Dezember letzten Jahres zur Elimination der Masern lesen wir, dass diese auf dem amerikanischen Kontinent und in Finnland bereits erreicht sei. Dieser „Sieg“ bedeutet allerdings, dass diese Regionen jetzt von einer konstant hochgehaltenen Durchimpfungsrate abhängig sind, da in der Bevölkerung keine natürliche Immunität gegen das zurückgedrängte Virus mehr vorhanden ist. Der angestrebte Schutz hat sich somit in eine reale Schutzlosigkeit verwandelt. Ein zeitgemässes systemisches und salutogenetisches Denken versucht, solche Sackgassen rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Salutogenese heisst danach zu fragen, was einen Menschen gesund erhält. Nach seinen Stärken, seinen individuellen psychischen, physischen und sozialen Ressourcen. Aus den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wissen wir, dass es meistens wenig Sinn hat, Schwächen ausmerzen zu wollen. Sehr viel sinnvoller ist es, vorhandene Stärken, vorhandene Ressourcen zu nutzen und auszubauen. Das schulmedizinische Denken ist jedoch noch weitgehend von der (oft sehr eindimensionalen) Suche nach Risikofaktoren und Krankheitsursachen bestimmt.

Systemisches Denken fragt danach, ob durch möglichst frühe und möglichst viele Impfungen die Belastung von Kleinkindern durch Krankheiten insgesamt wirklich reduziert wird. Es gibt Studien, die eher das Gegenteil vermuten lassen. Ebenso schlecht erforscht ist, wie sich die Impfungen auf die Entwicklung von Gesundheit und Krankheit im Leben des Individuums auswirken. Hier werfen insbesondere die Zunahme von Allergien und von Autoimmunerkrankungen Fragen auf. Auch darüber, was die finanziellen und sozialen Auswirkungen in den jeweiligen Gesellschaften sind, gibt es Kosten-Nutzen-Rechnungen, bei denen flächendeckende Durchimpfungen nicht sehr gut abschneiden. Über die Auswirkungen der angestrebten Elimination einiger zu Schädlingen erklärten Viren aus dem nicht überschaubaren Geflecht des mikrobiellen Lebens wissen wir kaum etwas.

Impfpolitik vom Kommerz geprägt

In der sehr emotional geführten Impfdiskussion verleumden Befürworter ärztliche und nicht-ärztliche Praktizierende der Naturheilkunde als «Schädlinge am Volkswohl», weil sie ihre Patienten angeblich daran hindern, sich impfen zu lassen. Und andrerseits schweifen die Gegner gerne in Anschuldigungen und Verschwörungstheorien aus, deren Begründungen ebenso zu wünschen übrig lassen.

Sicher ist nach Meinung des Präsidiums und des Vorstands der Naturärzte Vereinigung der Schweiz (NVS), dass die Impfpolitik weltweit stark von den kommerziellen Interessen der Impfstoffhersteller und der angegliederten Branchen bestimmt wird. Unabhängige, kritische Studien sind Mangelware. National und international herrscht ein reges Kommen und Gehen der Akteure zwischen neutral sein sollenden Gremien der Gesundheitspolitik und den Teppichetagen der Pharmamultis und ihrer Beraterfirmen. Flächendeckende Grippeimpfungen sollen aber auch dazu beitragen, die krankheitsbedingten Arbeitsausfälle zu reduzieren. Denn was für den einzelnen Arbeitnehmer und seine Familie vielleicht eine – trotz Unwohlsein – willkommene Unterbrechung der Arbeitsroutine ist, wird heute in der Wirtschaft ausschliesslich als Gewinnminderung wahrgenommen.

Was wir – unabhängig von nachweisbaren oder nicht nachweisbaren Impfschäden – in unseren Praxen beobachten ist, dass die Impfkampagnen Ängstlichkeit und hysterisches Verhalten gegen- über realen und imaginären Krankheitsrisiken fördern und die Konsumhaltung steigern. Gleichzeitig ist das früher noch selbstverständliche Wissen der Eltern um einen angemessenen, natürlichen Umgang mit (Kinder-)Krankheiten weitgehend verschwunden. Dass Masern, Mumps und Röteln noch vor kurzem oft ohne Beizug eines Arztes und meist ohne nennenswerte Komplikationen überstanden wurden, ist schon beinahe in Vergessenheit geraten.

Gesundheitsförderung als Prozess

«Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, alle Menschen zu einem höheren Mass an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu befähigen», heisst es in der WHO Ottawa Charta. Und das Bundesamt für Gesundheit schreibt 2007: «Das Gesundheitssystem der Zukunft ist auf den gesundheitskompetenten Menschen ausgerichtet.» Ob die Tendenz zu immer mehr «freiwilligen Obligatorien» im Gesundheitswesen diesen Zielen entspricht, kann aus Sicht der Naturheilkunde zumindest bezweifelt werden. Gesundheitskompetente Menschen müssen aufgrund umfassender und objektiver Information eigenverantwortlich und frei entscheiden können. Kampagnen wie die eingangs erwähnte zur Elimination der Masern können auch diesem Anspruch nicht genügen.