Bayer verlangt Prozess-Entschädigung

Behinderte Celine muss Bayer 120'000 Franken zahlen

 

ZÜRICH - Celine war erst 16, als sie eine Lungenembolie erlitt. Seither ist die junge Frau schwerstbehindert. Jetzt wurde eine Klage gegen Pillenhersteller Bayer abgewiesen, wie die «Rundschau» gestern Abend berichtete.  play

Mit 16 Jahren liess sich Celine die Pille verschreiben. Nur vier Wochen nach der Einnahme von «Yasmin», erleidet das Mädchen eine Lungenembolie. Sie atmet nicht mehr, ihr Herz steht still, das Gehirn wird schwer geschädigt. Als der Teenager nach drei Wochen im künstlichen Koma erwacht, ist Celine schwerstbehindert.

 

Prozessentschädigung für Bayer

Ihre Mutter Claudia verklagt den Pharmariesen Bayer, der unter anderem auch die Anti-Baby-Pille «Yasmin» herstellt, auf 5,7 Millionen Franken Schadensersatz. Damit sie Celine zu Hause pflegen kann.

Das Bezirksgericht Zürich hat diese Klage nun abgewiesen. Im Urteil vom August, das der «Rundschau» vorliegt, verdonnert es Celines Familie zu einer Zahlung von 120'000 Franken. An Bayer als Prozessentschädigung.

 

«Die Klägerin könne nicht darlegen, dass die von ihr eingenommenen Packungen fehlerhaft waren», begründet das Gericht. Deshalb könne die Produktehaftpflicht nicht angewendet werden.

 

Familie zieht das Urteil weiter

Für Celines Mutter unverständlich: «Als Geschädigte müssen wir 120'000 Franken an einen Pharmakonzern zahlen, der mit diesem Medikament Milliarden verdient. Das ist ein Affront, für Celine, für unsere Familie», sagt sie. Die Familie zieht das Urteil ans Obergericht weiter.

 

Bayer will sich zum Urteil des Bezirkgerichts mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äussern. Bayer bestreitet aber einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der schweren Lungenembolie von Celine und der Einnahme ihrer Pille.

 

Tatsache ist aber, dass 2013 in der Schweiz zwei Frauen an einer Lungenembolie gestorben sind – nach der Einnahme einer Anti-Baby-Pille mit dem Wirkstoff Drospirenon, der auch in «Yasmin» enthalten ist. Dies bestätigt Swissmedic gegenüber der «Rundschau». (lac)

 

Quelle: Blick vom 6.11.2013