Weiteres GenTech Moratorium!

Veräppelte Gentechforscher

Wie die Anti-Gentechlobby mit ihrer Alarmistentaktik eine nachhaltigere Landwirtschaft blockiert

 

Selten hat ein Forschungsprojekt so eindeutige Antworten geliefert wie vergangene Woche das Nationale Forschungsprogramm (NFP) 59 zu «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen». Das Risiko, das von gentechnisch veränderten Pflanzen für Umwelt und Mensch ausgeht, sei nicht grösser als das von konventionell gezüchteten Pflanzen, schreibt das breit abgestützte Forscherkonsortium in seinem Schlussbericht. Zudem könne die Gentechnik einen wertvollen Beitrag zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft leisten. Ein Anbauverbot mache daher keinen Sinn mehr.

Man sollte meinen, dass solch glasklare Aussagen bei vernünftig denkenden Menschen auf offene Ohren stossen. Doch weit gefehlt. Parlament und Bundesrat werden das Moratorium, das den kommerziellen Anbau von Gentechpflanzen in der Schweiz verbietet und nächstes Jahr ausläuft, demnächst um weitere vier Jahre verlängern. «Die Erkenntnisse ändern nichts an der Ausgangslage», kommentierte der CVP-Nationalrat und Biobauer Markus Ritter den Schlussbericht.

Wie bitte? Als Forscher muss man sich, gelinde gesagt, total veräppelt vorkommen. 2005, als das NFP 59 lanciert wurde, hiess es, man wolle damit die wissenschaftlichen Grundlagen schaffen für die künftige Handhabung der Gentechnik in der Landwirtschaft. Und was passiert nun? Die Resultate, welche die weitgehende Unbedenklichkeit von Gentechpflanzen einmal mehr bestätigen, werden von der Politik schlicht ignoriert. Und noch schlimmer: Fast alle finden das irgendwie gut so.

Man muss es sagen: Die Taktik der (Bio-)Bauern und Umweltalarmisten von Greenpeace & Co. ist voll aufgegangen. Immer wieder haben sie Zweifel an den Forschungsresultaten gesät, den beteiligten Forschern Industrienähe vorgeworfen und Risiken beschworen, die höchstens hypothetisch bestehen. Auch jetzt werden die radikalen Gentechgegner nicht müde, dem Forscherteam, zu dem übrigens auch Experten des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FIBL) gehören, eine «einseitige Betrachtungsweise» vorzuwerfen.

Diese Taktik erinnert frappant an ein anderes Thema, den Klimawandel. Auch hier besteht in der Wissenschaft ein breit abgestützter Konsens, der besagt, dass die beobachtete Klimaerwärmung erstens real und zweitens mindestens teilweise vom Menschen verursacht ist. Trotzdem haben es die von der Erdöllobby massiv unterstützten «Klimawandelskeptiker» geschafft, mit steten Verdrehungen und Fehlinterpretationen Zweifel am Konsens der Klimawissenschaft zu säen. Zumindest in den USA sind sie damit ähnlich erfolgreich wie bei uns die Gentechalarmisten.

Man muss sich keine Illusionen machen: Von heute auf morgen wird sich die Meinung zur Gentechnik in der Landwirtschaft bei uns nicht ändern. Da braucht es (neue) Pflanzensorten, die entweder dem Konsumenten oder der Umwelt klare Vorteile bringen.

Die gute Nachricht: Solche Sorten gibt es bereits. Herbizid-resistente Zuckerrüben etwa würden die Umwelt schonen, weil die Bauern auf das energieintensive Pflügen verzichten könnten. Weit entwickelt sind zudem Gentechapfelsorten, die gegen Feuerbrand resistent sind (und damit den Antibiotikaeinsatz überflüssig machen) und Gentechkartoffeln, die gegen die Kraut- und Knollenfäule immun sind und den Fungizid- respektive Kupfereinsatz minimieren könnten.

Wieso, fragt man sich da, soll sich die Schweizer Landwirtschaft solch vielversprechenden, die Umwelt schonenden Pflanzensorten verschliessen, die sogar für den Biolandbau interessant sein könnten? Es gibt schlicht keinen Grund. Daher sollte man dringend auf eine nochmalige Verlängerung des Moratoriums verzichten und dafür bei der Anpassung des Gentechnikgesetzes Gas geben. Denn was das NFP 59 auch gezeigt hat: Eine Koexistenz von Gentech- und konventioneller Landwirtschaft ist möglich, es fehlen dazu aber noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Erkennen wir unsere Werte, kämpfen dafür und bekommen dafür auch einen Wert.

Füttert den eigenen Henker.pdf
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