01. Februar 2012 23:09; Akt: 01.02.2012 23:13
von Zora Schaad - Bereits könnte bei uns mit dem Schmallenberg-Virus infiziertes Fleisch im Umlauf sein. Im Gegensatz zu Russland will man in der Schweiz aber kein Importverbot verhängen.

 

 

Eine neue Tierseuche verursacht vor allem bei Lämmern schwere Geburtsfehler. (Bild: AFP)


Verkrüppelte Lämmer, frühgeborene Kälber, infizierte Ziegen: Zuerst kamen die Meldungen nur aus Deutschland, nun sind auch Belgien, die Niederlande, Grossbritannien und Frankreich vom Schmallenberg-Virus betroffen – und jetzt wohl auch die Schweiz. Beim Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer (BGK) meldete ein Zürcher Züchter den Tod eines neugeborenen Lammes mit verdächtigen Symptomen. Der Kadaver werde nun im Labor des Tierspitals untersucht, sagt Rita Lüchinger vom BGK. Sie rechnet damit, «dass das Virus auch in die Schweiz kommt».


Russland hat bereits die Notbremse gezogen und einen Importstopp für Fleisch, Sperma und Embryonen von Schafen und Ziegen aus Deutschland verhängt «bis zur Aufklärung der aktuellen Situation». Nicht so die Schweiz: «Wir sehen keinen Handlungsbedarf für einen Importstopp oder eine Meldepflicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus auf den Menschen übertragen werden kann, ist äusserst gering», sagt Regula Kennen vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVet). Bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit dagegen will man lieber auf Nummer sicher gehen und führt nun eine Risikoanalyse für den Menschen durch.


Für Experten der richtige Schritt: «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Fleisch von infizierten Tieren in der Schweiz bereits im Verkauf gelandet ist», sagt Matthias Schelling vom Rindviehzuchtverband Swissherdbook. Philippe Strub vom Konsumentenforum plädiert für eine Meldepflicht kranker oder tot geborener Tiere. Er fordert: «Das BVet muss die Bauern aktiv informieren.» Dafür könne es nicht zu früh sein. «Schliesslich haben wir alle noch die Bilder von der BSE-Krise vor Augen», sagt Strub.

 

Film ansehen: Morgenmagazin ARD 1

Schmallenbergvirus_1.pdf
Adobe Acrobat Dokument 485.5 KB