Leserbriefe

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Nahrungsmittel ? - Lebensmittel ?

Meinung der Basis ist gefragt   18.08.2012

Vor 2 Wochen (4. August 2012) durfte ich der Bauernlandsgemeinde im luzernischen Grosswangen beiwohnen. Ich nahm daran teil, weil in der Einladung von Nahrungsmittelproduzenten gesprochen wurde. Zum Glück stand dann in der angenommenen Fassung, dass unser Bauernstand Lebensmittel produzieren soll!

Nun ist gerade die Milch ein Paradebeispiel, wie Kühe die art- und evolutionsgerecht mit Grass (pestizid-, antibiotika- und hormonfrei) gefüttert werden, ein Mittel zum Leben, also eine wertvolle enzymatisch vollwertige Rohmilch produzieren, welche bei richtiger Melkung und Handhabung ein Lebensmittel ist. Ein Lebensmittel führt dann nicht zu Intoleranzen beim Verzehr!

Hingegen ist die Milch vom „Turbobauer“, der die überzüchteten Tiere mit brasilianischem Soja und amerikanischem Weizen füttert und in der Verarbeitung bis zu UHT Milch wird, nichts wert ausser dem Fettanteil der dazwischen zu Butter etc. verarbeitet wird. UHT ist für viele Konsumenten ein Risikofaktor und wird von vielen Ernährungsberaten unter zu vermeiden eingestuft. Bekommt also nicht einmal mehr den Status eines Nahrungsmittels.

Beispielsweise müsste Toni Brunner für seine artgerechte Tilsitermilch teuerungsangepasst ca. CHF 1.5o/Ltr. erhalten und der „Turbobauer“ den Fettwert, der einiges unter CHF 0.50/Ltr. liegen dürfte. Dies müssten meiner Meinung nach die Kriterien sein für 14-17, wie unser Steuerfranken verteilt werden dürfte. Nach heutigem Marktwert müsste die Tilsitermilch mit gegen 100% subventioniert werden und die „Turbomilch“ möglicherweise einen minderwert Abschlag erhalten. Gleiches gilt heute leider bei vielen Agrarprodukten die unsere Bauern wegen dem industriellen Denken produzieren müssen.

Dazu ist aber bei einigen Produkten der Agrarfreihandel zu schliessen. Sonst wird eine billige Fertigpizza aus Italien eingeführt, die aus EU-Milchpulver ein Kaugummi-Käse auf einem, von klebrigem Eiweiss strotzendem Weizenteig aufgetragen bekommen hat. Solches führt unter anderem dazu, dass hier in der Schweiz ca. 2 Mio. Franken für Herzkreislauf-Medikamente täglich ausgegeben werden! Mit solchen Beispielen wird jedem klar weshalb namhafte Wissenschafter aufgezeigt haben: Die Gesundheitsvorsorge beginnt in der Landwirtschaft und nicht in der Arztpraxis.

Lebensmittel zu Produzieren steht in der Forderung die an der Bauernlandsgemeinde angenommen wurde. Ich bin froh darüber und verlange, dass alle Technokraten, Beamte, Rechtsgelehrte, Politiker und Bauern dieses Ziel verfolgen. Dies verlangt eine Umkehr in der Landwirtschaft, eine Stärkung vor allem der eher kleinbäuerlichen Betriebe und eine gezielte naturnahe Produktion, ohne Pestizide, minderwertigem Industriesaatgut, Kunstdüngern und falscher Fütterung.  

Karl B. Rietmann
Nutrigenomics/Epigenetics
9100 Herisau


Mit emene gsonde Appezellergruess