Ein «Gruyère» muss ein «Gruyère» sein

In der Schweiz produziert Emmi «Gruyère», der von der Sortenorganisation anerkannt ist. Der in den USA produzierte Gryuère hat diese Kriterien nicht erfüllt. (Keystone)

Von Bundeshaus-Redaktor Philipp Burkhardt


«Grand Cru Gruyère». Unter diesem Namen produziert die amerikanische Grosskäserei Roth seit 1991 einen Käse, der mit dem Schweizer «Gruyère» nur den Namen gemeinsam hat. Vor vier Jahren hat die Schweizer Emmi-Gruppe die Käserei Roth übernommen. Die Produktion des «Grand Cru Gruyère» ging weiter, obschon der Käse den Qualitätsanforderungen der Sortenorganisation «Gruyère» in keiner Weise genügt.


Dass die Emmi-Gruppe, die ihren hochwertigen Schweizer «Gruyère» in die USA exportiert, sich selber mit einem minderwertigen US-Produkt konkurrenziert, hat in den letzten Monaten in der Schweiz zu heftiger Kritik geführt. Jetzt liest auch der Bundesrat dem Luzerner Milchverarbeiter die Leviten. Die Verwendung des Begriffs «Gruyère» für einen Käse, der in den USA hergestellt werde, bedrohe den Ruf des Originalproduktes, hält die Landesregierung in der Antwort auf einen Vorstoss von CVP-Nationalrat Jean-Pierre Grin fest. Er schreibt weiter:
«Der Bund missbilligt jede Verwendung der geschützten Ursprungsbezeichnung ‹Gruyère› für Produkte, die sich nicht an das Pflichtenheft halten - sei dies in der Schweiz oder im Ausland.»
Dieses Vorgehen schade der gesamten Branche, hält der Bundesrat fest. Und: «Damit wird jeder Versuch untergraben, die Bezeichnung ‹Gruyère› in weiteren Regionen der Welt zu schützen».


Schutz von Ursprungsbezeichnungen 
Er «bedaure» diese Situation umso mehr, schreibt der Bundesrat, als sich die Schweiz bei der Welthandelsorganisation WTO sehr engagiert für den Schutz von Ursprungsbezeichnungen einsetze. Die Kritik der Landesregierung ist besonders pikant, weil im Verwaltungsrat der Emmi-Gruppe der ehemalige Landwirtschaftsminister Joseph Deiss sitz. Deiss ist deswegen vor wenigen Monaten auch schon aus der Vereinigung «Confrérie du Gruyère» ausgeschlossen worden.


Verwaltungsrats-Präsident der Emmi-Gruppe ist der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber. Er zeigt sich überrascht über die geharnischten Worte des Bundesrates. Denn Emmi habe schon Anfang Mai beschlossen, die Produktion des «Grand Cru Gruyère» in den USA per 1. Mai des nächsten Jahres einzustellen, dies im Gegensatz zu anderen ausländischen Anbietern, die weiter Käse unter dem Namen «Gruyère» produzierten. Dass der Bundesrat trotzdem noch immer Kritik anbringe, kann der Emmi-Verwaltungsratspräsident nicht verstehen: «Ich kann diese Kritik nicht nachvollziehen, weil unser Verzicht freiwillig erfolgte und weil zu befürchten ist, dass am Schluss ausländische Mitbewerber profitieren. Für uns ist die Sache erledigt. »
Das stimme zwar, sagt Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Doch wolle der Bundesrat mit seiner Antwort ein Zeichen setzen. So prüfe man, ob man künftig Finanzhilfen für die Absatzförderung von Schweizer Käse im Ausland kürzen oder gar verweigern könnte, wenn geschützte Ursprungsbezeichnungen nicht eingehalten werden:


Bundesrätliche Ansage
«Emmi hat sich entschieden, auf die Verwendung des Namens in Zusammenhang mit der amerikanischen Produktion zurückzukommen. Das Thema ist nicht mehr virulent, aber es ist eine bundesrätliche Ansage, dass künftige allfällige Entwicklungen in eine nicht gewollte oder sogar falsche Richtung behördlich beeinflusst oder sanktioniert werden würden.»


Ein Etikettenschwindel wie im Falle des «Grand Cru Gruyère», soviel macht der Bundesrat klar, soll nicht wieder vorkommen. (lin)