Kontrahierungen sabotieren die Milchpolitik der Produzenten

Einmal mehr zeigen sich Verbindungen und Netzwerk nicht nur in der Regierung in Bern sondern auch in Organisationen der Milchproduzenten und Milchverarbeiter. Obwohl die SMP (Schweizerische Milch-Produzenten) -Organisation eigentlich die Milchproduzierenden Landwirte vertreten sollte, werden andere Interessen als die der Milchbauern wahrgenommen und die Marktpreise an die Wand gefahren.

 

Alle Massnahmen, die in den letzten 10 Jahren beschlossen wurden, waren Bemühungen ohne Ergebnisse, oder haben nicht gegriffen oder, oder, oder ... Muss man sich nicht nun langsam die Frage stellen, wo den der Hund wirklich begraben liegt?

 

Liegt der Grund vielleicht in den Mehrfach-Interessen und -Aufgaben der Verwaltungs- und Organisations-Vorstände, genannt «Kontrahierungen»?

 

In den Statuten der BOM (Branchen-Organisatin Milch) oder der SMP sind solche Kontrahierungen zwar verboten, werden aber scheinbar geduldet, weil nicht reklamiert und deshalb nicht gerichtet.

Die Statuten sagen in Artikel 2 zu den Zielen und Zweck

 

  • vertritt die Interessen der Schweizer Milchproduzenten
  • auf gesellschaftlicher und wirtschaftspolitischer Ebene
  • einen Erlös aus der Milchproduktion zu erzielen,
  • der zu einem Arbeitsverdienst führt, der mit jenem anderer Erwerbstätiger vergleichbar ist
  • Rahmenbedingungen erarbeiten zur Anpassung der Produktion und des Angebotes an die Erfordernisse des Marktes in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen der Branche
  • grösstmögliche Transparenz über den Markt und die Preise zu schaffen
  • die Vertretung von gemeinsamen Anliegen
  • die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Milchwirtschaft zu stärken
  • die Milchverwertung und Marktleistungen zu optimieren
  • die schweizerische Milchproduktion nach den Bedürfnissen der Konsumentinnen und Konsumenten auszurichten sowie die Qualität und den Absatz von schweizerischen Milchprodukten zu erhalten und zu fördern durch ein starkes Basismarketing
  • ihre Mitglieder sowie alle Schweizer Milchproduzenten sachbezogen zu informieren
  • die Kommunikation mit der Öffentlichkeit sicherzustellen und dabei insbesondere den Wert der Schweizer Milch und Milchproduktion zu erklären
  • ihren Mitgliedern und den Schweizer Milchproduzenten Dienstleistungen zuerbringen.
  • Die SMP vertritt die Interessen der Milchproduzenten für die Rind- und Kalbfleischproduktion direkt oder über eine andere Organisation.

 

Aufgrund der Interessenbindungen des Vorstandes bzw der Mitglieder, die in den Milchprodzierenden wie in den weiterverarbeitenden Organisationen und Betrieben liegen, findet sich ein Interessen-Konflikt, der wohl eher bei den milchverarbeitenden Bereichen liegt, weil dort und nur dort Geld zu verdienen ist. Der Produzent, der Dumme, soll bleiben wo er ist - im Kuhmist.

 

Vorstand und Mitglieder des SMP

BO Milch - IP Lait Mitglieder

 

Auf Grund dieser  Konstellation können die wirklichen Interessen der Milchproduzenten gar nicht gewahrt werden. Damit erklärt sich auch, weshalb sämtiche Massnahmen während langer Dauer nie wirklich gegriffen haben.

Dazu kommt, dass der SBV (Schweizerische Bauernverband)  immer in die gleiche Richtung zieht.

Meine persönlichen Aufzeichnungen nach der SMP-Sitzung

Seit Jahren tobt in der Schweiz der Kampf um die Existenz der Landwirtschaft, die immer wieder mit sehr widerlichen Situationen konfrontiert wird seitens des Bundesrates und der verschiedenen Verbände und Organisationen.


Da haben wir einerseits die Uneinigkeit der Landwirte untereinander, die geschürt wird von den finanzstarken und den Medien und andererseits dem Trend der Industrialisierung der Landwirtschaft durch Mulits und Konzerne sowie versteckterweise selbst vom Schweizerischen Bauernverband SBV.

 

Das Motto lautet ganz klar: "Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte". Nebenbei können wir die Landwirtschafts-Industrie aufbauen und die Ernährungs-Souveränität mehr und mehr aushöhlen.


Die leidtragenden sind die Landwirte, deren Wertschöpfung durch den Preiszerfall (notabene aber auch der Zerfall der Schweizer-Qualität) immer geringer und die Überlebens-Chance für kleine bis mittlere Betriebe immer kleiner wird.


Wie in der Presse bekannt geworden ist, haben sich in den vergangenen Monaten und Wochen Kleinbäuerliche Organisationen, wie BZS, NBKS, BBK, Uniterre und Big-M  an einem Tisch zusammengesetzt und Lösungsvorschläge ausgearbeitet, die der Organisation der Schweizerischen Milchproduzenten SMP in Bern vorgestellt worden sind.


Dazu sind die Vorstände und Direktoren der SMP und den Delegierten der 12 regionalen Milchproduzenten-Organisationen mit Vertretern der oben erwähnten Basis-Organisationen zu einer Anhörung zusammengekommen, an welcher vier Lösungs-Vorschläge angebracht wurden und im wesentlichen folgende :


die Bestimmung einer Referenzmenge

  • damit Massnahmen zur Regelung und Entlastung
  • damit sich Menge und Preis wieder einpendeln zu kostendeckenden Preisen

Transparenz

  • rechtliche Aspekte
  • Urabstimmung mittels Basisbefragung
  • Einforderung der Allgemeinverbindlichkeit durch die SMP beim Bundesrat

Die wichtigsten Merksätze lauten:

  • jährlich 2,5% weniger Produzenten ergebe über 3 Jahre ca 7,5% weniger Milch
  • Moratorium über die Ausdehnung der Milchmengen - Plafonierung
  • eine Umfrage soll zeigen, wo Mehrheiten festgestellt werden können
  • andere Vorschläge sind dringend gefragt
  • Referenzmenge sei unabdingbar, dazu sind weitere Massnahmen gefordert
  • Die Allgemeinverbindlichkeit muss vom Bundesrat gefordert werden
  • Alle Teilnehmer müssen sich der Branche unterordnen
  • Zuerst seien Positionen zu beziehen und dann in die Branchen zu gehen
  • Gemeinsamer Wille, eine Befragung der Basis kann starke Lokomotive sein
  • Politik hat bagatellisiert und zerstreut  -  die landwirtschaftliche Basis muss entscheiden
  • Uns wird weisgemacht, dass 51% mit der Situation zufrieden seien


Nun ist gemäss der Akten-Notiz als einzige griffige Massnahme eine Arbeitsgruppe mit Vertreter aus den Basis-Organisationen (BZS, NBKS, BBK Untierre und Big-M) herausgekommen und die Entscheidungen würden durch die SMP und dem SBV gefällt. (Diese verblüffende Kongruenz habe ich vorher gar nicht so klar erkannt)

Das heisst klardeutsch, dass die SMP, die eigentlich die Milchbauern, -Produzenten vertreten soll, deren Forderungen bagatellisiert und verwässert, sodass der Schlitten weiter talwärts fährt. Die Branche wird also aus den eigenen Reihen sabotiert, ebenso wie der SBV diese Demontage der Milchbauern noch unterstützt, weil sonst niemand mehr etwas zu sagen hat oder zum Sagen zugelassen wird.

Die ganzen Medien, die im Schweizer-Bauer <http://www.schweizerbauer.ch/htmls/artikel_30098.html> und in der Bauern-Zeitung <http://portal.bauernzeitung-online.ch/ee/bz/baos/2012/08/24/007/> oder <http://portal.bauernzeitung-online.ch/ee/bz/baos/2012/08/24/008/>
zeigen die verschiedenen Stossrichtungen, die von verschiedenen Interessegruppen angestrebt werden.

 

Selbst darin werden scheinbar Stimmen laut, die verlangen, dass SMP oder BOM ihre Daseinsberechtigung verwirkt hätten, was mich bei den Ergebnissen dieser Organsationen nicht wundert.

 

Klar scheint allen die Wichtigkeit der Referenzmenge und der Reduktion der Milchmenge, nur das WIE ist noch mit zu vielen Fragen belegt.

Bis anhin hat der Konsument diese Milchschlacht kaum oder nur am Rande mitbekommen, wo doch der Konsument als Endabnehmer einer der wichtigsten Partner in diesem Handel vergessen gegangen scheint.

Der Trend zu natürlicher, zu qualitativ hochstehenden Milchprodukten ist unverkennbar und dafür ist der Konsument auch bereit, etwas mehr zu bezahlen. Und gerade deshalb wäre es unabdingbar wichtig, die Konsumenten vollständig und wahrheitsgetreu zu informieren, dass in diesem Kampf die Versorgungssicherheit einerseits und die Qualität auf der Strecke bleibt. Der Konsument will authentische Schweizer-Qualitäts-Produkte und keinen "Bschiss", das muss nun endlich einmal publik gemacht werden.

Meines Erachtens sind alle Vorschläge so gut, wie die Durchführbarkeit und Einfachheit zum Verständnis des Lösungsweges. Der einzige Vorschlag, der diese Voraussetzungen erfüllen kann, ist der von Hans Stalder, Präsident von NBKS. Dieser schmerzt den einzelnen Milchproduzenten am wenigsten, vor allem den kleinen und mittleren, die auch am meisten zu kämpfen haben für eine Existenz.

Die unrechtmässige Aufstockung der Milchliefermenge durch Schlaumeiereien von vielen Milchproduzenten, die vorgegeben haben, mit der Milchproduktion aufzuhören und deren Kontingente für gutes Geld verkauft wurden, anstelle einzufrieren, darf nun nicht zu Recht erwachsen, worunter jene, die sich an die Vorgaben gehalten haben, nun zu leiden und um ihre Existenz zu fürchten haben.