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Saurer Apfel des SOV für die Thurella

Tagblatt Online, 21. Juli 2012 09:21:00
Saurer Apfel des SOV für die Thurella

 

TÄGERWILEN/ZUG. Die Thurella ist vorläufig mit ihrem Vorschlag gescheitert, eine inländische Billiglinie aus Schweizer Mostobst aufzubauen. Der Schweizerische Obstverband hat diesem Anliegen eine Absage erteilt. Damit werden weiter nur Exporte subventioniert.
Bei der Thurella, einst Flaggschiff der Ostschweizer Mostproduktion, hat der Erneuerungsprozess Spuren hinterlassen und zur Formulierung neuer Ideen auch auf dem Mostobstmarkt geführt. Stark redimensioniert und unter dem Dach der Biotta beheimatet werden neue Ideen geboren, die wie der abgewendete «Fast-Konkurs», ebenfalls Aufsehen erregen. Jüngstes Beispiel ist, wie mit Rekordernten wie 2011 umgegangen werden soll.


Exportsubventionen


Werden Übermengen Mostobst produziert, dann wird ein sogenannter Rückbehalt verrechnet. Sprich vom Preis, den der Obstbauer von der Mosterei ausbezahlt bekommt, wird ein Teil in einen Subventionstopf des Schweizerischen Obstverbandes (SOV) gezahlt. Mit diesem Geld wird der Export von Übermengen unterstützt, um im EU-Raum Most überhaupt verkaufen zu können, der in der Schweiz wegen Übersättigung des Inlandmarktes nicht mehr absetzbar ist.


Früher hatte der Bund die Exportsubvention übernommen. Jetzt subventioniert sich die Branche sozusagen selbst. Diese Subventionen kommen nur bei Übermengen zum Tragen, weil nur dann exportiert werde, erklärt der Direktor des SOV, Bruno Pezzatti. Genau an diesen Subventionen will die Thurella den Hebel ansetzen. Im Frühjahr brachte sie die Idee auf, dass mittels einer Billiglinie das Mostobst auch auf dem inländischen Markt verkauft werden könnte. Die Schweizer Konsumenten würden so von der Rekordernte und tieferen Preisen für Schweizer Obstsaft profitieren. Rolf Menke, Mediensprecher von Thurella/Biotta: «Wir brauchen eine Reform.» Das jetzige Subventionsmodell habe mittel- und langfristig kaum eine Zukunft. Die Idee stiess beim Konsumentenschutz auf Zustimmung.


Preisstabilisierung


Im SOV jedoch fand die Idee keine Mehrheit. Bruno Pezzatti sagt, dass die Einführung einer Billiglinie von einer Mehrheit der Fachorganisation Verarbeitung abgelehnt wurde. Das Rückbehalts-System sei in der Branche von Produzenten und Verarbeitern gemeinsam erarbeitet worden und diene nicht zur künstlichen Preiserhöhung, sondern zur Stabilisierung der Preise. «Vor wenigen Wochen haben sich die Produzenten nochmals einstimmig zu diesem System bekannt.»


Damit muss die Thurella/Biotta in den sauren Apfel beissen und zumindest kurzfristig auf diese Idee verzichten. «Wir müssen uns der Entscheidung fügen», sagt denn auch Rolf Menke.


Dennoch bleibt der Thurella-Verwaltungsrat mit Präsident Heinz Stübi der Auffassung, dass man das derzeitige Subventionsmodell überdenken muss. Rolf Menke bedauert, dass es in der Branche dazu noch wenig Bereitschaft gibt. Es habe im Obstverband kein Signal gegeben, dass der Ball der Thurella aufgenommen wurde.