Eltern setzen bei Kindergärtlern aufs «Fröschli»

Mithilfe eines GPS-Telefons werden Sprösslinge überwacht

Eltern und Kinder werden  mittels praktischer Elektronik bereits früh eingestimmt auf die totale Überwachung, sodass man sich später schon derart daran gewöhnt hat (besser gesagt abgestumpft wird), dass man sich nicht mehr zu wehren weiss.

«BigBrother watching you» unterläuft somit still und leise die Privat-Sphäre der Bürger, wobei immer nur die praktischen Vorteile als Begründung oder Motivation verwendet werden...

ZÜRICH In den letzten Wochen haben sich die Verkäufe des «Fröschli», dem GPS-Telefon für Kinder, verdoppelt. Vladi Barrosa, Sprecher der Vertriebsfirma Tracker. com, sagt: «Die erhöhte Nachfrage hängt mit dem Schulanfang zusammen.» Bei Eltern, aber auch in Kindergärten und internationalen Schulen werde das «Fröschli» für Ausflüge und den Schulweg immer beliebter. Beim Verkaufspartner Mobilezone heisst es: «Wir konnten im August so viele ‹Fröschli› absetzen wie noch nie», sagt Sprecher Lukas Herzog. Das Kindertelefon kostet rund 70Franken. Barrosa wundert die steigende Nachfrage nicht: «Viele Kinder werden in den nächsten Wochen lernen, den Schulweg alleine zu gehen.» Es gebe den Eltern Sicherheit, wenn sie den Nachwuchs orten könnten, wenn sich dieser etwa verspäte.

Durch das Gerät entsteht bei Eltern «eine Scheinsicherheit»

Tatsächlich sendet das «Fröschli» die aktuelle Position über GPS zu diversen Satelliten, welche diese an einen Server weiterleiten. Die Position des Kindes kann dann von den Eltern auf einer Karte via Computer oder Smartphone eingesehen werden.

Daniel Süss, Medienpsychologe Zürcher Fachhochschule, sagt: GPS-Telefon «Fröschli»: Aktuelle Position via Computer «Die GPS-Funktion drückt aus, dass man dem Kind nicht wirklich vertraut.» Es gebe den Eltern eine Scheinsicherheit, denn die Kinder könnten das Gerät auch verlieren oder liegen lassen. Kritik übt auch Friederike Tilemann, Leiterin Medienbildung Pädagogische Hochschule Zürich: «Es gibt momentan eine Begeisterung für Technik gekoppelt mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis.» Die Eltern möchten ihre Kinder schützen und erhofften sich durch technische Errungenschaften mehr Sicherheit. Dies solle aber nicht auf Kosten der Selbstständigkeit von Kindern und dem Vertrauen zwischen Eltern und Kindern gehen. Zum anderen werde so mit der Angst der Eltern geschäftet.

Für Barrosa sticht diese Argumentation nicht: «Das ‹Fröschli› ist nur ein Gerät, welches der Sicherheit des Kindes dient.» Die normalen Entwicklungsprozesse zwischen Eltern und Kind würden dadurch nicht behindert werden. Wenn Eltern sich an ein Kind klammerten, dann geschehe das in der Regel auch ohne «Fröschli». Laut Süss gelte es, die Kinder in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen. Wenn das Kind reif genug sei, die Lernansprüche zu erfüllen, dann müsse es auch in der Lage sein, den Schulweg alleine zu gehen.»